26. Handwerkerfrühstück in Offenbach
Handwerk zwischen wirtschaftlichem Druck, Digitalisierung und Zukunftschancen
Beim 26. Handwerkerfrühstück der Kreishandwerkerschaft Stadt und Kreis Offenbach stand die Zukunftsfähigkeit des regionalen Handwerks im Mittelpunkt. Vertreter aus Handwerk, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutierten am 21.04.2026 im Haus des Handwerks in Offenbach über wirtschaftliche Herausforderungen, Fachkräftemangel sowie die Chancen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI).
Kreishandwerksmeister Dennis Kern betonte in seinem Grußwort die Bedeutung des Handwerks als Rückgrat der regionalen Wirtschaft. Zugleich sprach er die angespannte wirtschaftliche Lage mit steigenden Kosten, hoher Inflation, Energiepreisen und zurückhaltender Investitionsbereitschaft an. Als zentrale Zukunftsaufgabe hob er die Energiewende hervor, bei der das Handwerk insbesondere in den Bereichen Photovoltaik, Wärmepumpen und energetische Sanierung eine Schlüsselrolle einnimmt. Zudem sieht er in Digitalisierung und KI wichtige Hebel zur Effizienzsteigerung und Entlastung der Betriebe. Besonders wichtig bleibe jedoch die Stärkung von Ausbildung und Nachwuchsgewinnung.
Stefan Ehinger, Vizepräsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, unterstrich in seiner Rede, daß Digitalisierung und KI keine Option, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für das Handwerk seien. KI solle dabei nicht Arbeitsplätze ersetzen, sondern Fachkräfte entlasten. Zugleich warnte er vor Abhängigkeiten durch Plattformökonomien und betonte die Notwendigkeit, digitale Entwicklungen aktiv zu gestalten. Besonders die junge Generation erwarte moderne, digitale Arbeitsstrukturen. Die Handwerkskammer verstehe sich dabei als aktiver Begleiter der Betriebe im Transformationsprozeß.
Auch Giuseppe Strina von der Universität Siegen verdeutlichte die wachsende Bedeutung digitaler Technologien im Handwerk. KI könne künftig vor allem in Bereichen wie Kalkulation, Planung, Materialdisposition und Administration unterstützen. Gleichzeitig zeigte eine von ihm vorgestellte Befragung, daß viele Betriebe zwar großes Interesse an Digitalisierung haben, jedoch Unsicherheiten hinsichtlich Umsetzung, Kosten und Datenschutz bestehen. Künstliche Intelligenz könne künftig vor allem bei Kalkulation, Planung und Administration unterstützen. Gleichzeitig bestehe noch erheblicher Bedarf an praxisnaher Unterstützung, Qualifizierung und verständlichen Anwendungsbeispielen. Erfolgreich seien insbesondere Betriebe, die Digitalisierung schrittweise einführen und Mitarbeitende aktiv einbinden.
Im Schlußwort betonte der stellvertretende Kreishandwerksmeister Thomas Lippold die Bedeutung einer ausgewogenen Digitalisierung. Das Handwerk dürfe nicht die Logik großer Plattformmodelle übernehmen, sondern müsse seine Kernstärken bewahren: persönliche Nähe, Vertrauen und individuelle Beratung. Digitalisierung solle den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Entscheidend für den zukünftigen Erfolg sei die Kombination aus technologischer Weiterentwicklung und gelebter Kundennähe.
Das Handwerkerfrühstück machte deutlich: Das Handwerk steht vor tiefgreifenden Veränderungen, sieht sich aber zugleich gut aufgestellt, um durch Innovation, Ausbildung und Zusammenarbeit die Zukunft aktiv zu gestalten.
- © (c) KH Claudia Winter
© (c) georg-foto, offenbach
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